Das Ende des Konradinum naht hoffentlich bald

Harte und monatelange Überzeugungsarbeit dürfte nun doch noch erfolgreich gewesen sein. Der Salzburger Landtag beschloss einstimmig eine Weichenstellung.

Chiemseehof Landtagssitzungssaal in Salzburg
LPB/Otto Wieser

Eines der unsäglichsten Behindertenheime Österreichs – das vom Land Salzburg betriebene Konradinum – wird nun Geschichte. Am 25. Mai 2016 stand ein SPÖ-Antrag zum Konradinum auf der Tagesordnung. Der nachfolgende Beschluss wird weitreichende Folgen haben. (siehe auch Aussendung der Salzburger Landeskorrespondenz sowie Video der Sitzung)

Ich bin gerade aus dem Landtagsausschuss zum Konradinum zurückgekommen und freue mich, dass meine Vorschläge einstimmig angenommen wurden!

  1. der Neubau wird einem anerkannten Träger aus dem ‚Behindertenbereich‘ übergeben, den es nun zu finden gilt. 
  2. eine externe Expertin/ein externer Experte soll den gesamten Umstrukturierungsprozess fachlich begleiten – das werde ich aus meinen Budgetmitteln finanzieren.

Ich freue mich, dass dieses Projekt nun gemeinsam mit meinem Regierungskollegen Christian Stoeckl in Umsetzung gebracht werden kann„, hielt der Salzburger Soziallandesrat, Heinrich Schellhorn, (GRÜNE) zufrieden auf Facebook fest.

Druck von Bewohnervertretung und Volksanwaltschaft

Ähnlich äußerst sich die Oppositionspolitikerin und eine der Antragstellerinnen, Ingrid Riezler (SPÖ), gegenüber BIZEPS: „Ich bin froh, dass der Druck von Bewohnervertretung und Volksanwaltschaft wirklich bewirkt hat, dass mit externer Unterstützung Betreuung und Begleitung auf den aktuellen Stand gebracht wird. Der Neubau wird hoffentlich so schnell als möglich umgesetzt werden.“

„Ein Neubau allein würde allerdings die Situation der Bewohner und Bewohnerinnen nur zum Teil verbessern. Benötigt werden zusätzlich ein zeitgemäßes Betreuungs- und Beschäftigungskonzept“, hält die Grüne Inklusionssprecherin, LAbg. Kimbie Humer-Vogl, in einer Aussendung fest und ergänzt: Mitbeschlossen wurde auch eine Trennung von Wohnen und Tagesstruktur.

„Bis der Neubau fertig ist, soll es aber auch für die Bewohner im bestehenden Konradinum Verbesserungen geben“, berichtet der ORF.

Was am Konradinum kritisiert wurde

Die Volksanwaltschaft hatte schon im Oktober 2015 im „Konradinum“ – einer Wohn- und Tagesheimstätte für Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen in Eugendorf/Salzburg – schwere Missstände festgestellt.

Die Intim- und Privatsphäre wird laut Volksanwaltschaft eklatant verletzt. Das Gebäude ist nicht barrierefrei und stark überbelegt. Betten stehen auf den Gängen, es gebe keine Geschlechtertrennung. Es gibt keine Förderpläne und unzulässige Dauermedikation ist an der Tagesordnung.

Das Land Salzburg ignorierte Beurteilungen des Gerichts zu den Zuständen im Behindertenheim Konradinum und es gab daher sogar schon Gerichtsbeschlüsse. Doch das Land Salzburg bestritt zuerst die Vorwürfe und reagierte lange Zeit nicht auf die Kritik. Nun dürfte eine Weichenstellung erfolgt sein.

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Ein Kommentar

  • „Neubau wird einem anerkannten Träger aus dem Behindertenbereich‘ übergeben …“
    Realisierung von Art.19 UN-BRK und Deinstitutionalisierung? Fehlanzeige!

    Die Macht der „anerkannten“ (von den Betroffenen?) Institutionen und deren strukturelle Massengewalt bleibt ungebrochen, so lange es kein persönliches Budget für sämtliche Unterstützungsbedarfe gibt.

    Die Länder machen sich des fortgesetzten Konventionsbruchs schuldig und vergehen sich täglich vorsätzlich und organisiert an zigtausenden schwerstbehinderten Menschen.